Eine Teilnehmerin des BFW Bad Wildbad im Gespräch mit einem Arzt.

"Ich bin eine von ihnen"

Doreen Mai im Rollstuhl an ihrem Arbeitsplatz in der Heinrich-Sommer-Klinik Bad Wildbad.
Foto: BFW Bad Wildbad


Es war eine regnerische Sommernacht im August 2005. Doreen M. war mit ihrem Freund auf dem Heimweg, als in einer Kurve das Heck ihres Autos ausbrach. Das Fahrzeug geriet auf die Gegenfahrbahn, überschlug sich mehrfach und landete schließlich auf einem Feld.
„Ich wusste sofort, dass etwas mit mir nicht in Ordnung war“, erinnert sich die junge Frau mit der sanften Stimme. Sie konnte ihre Beine nicht mehr bewegen und bat die helfenden Passanten, sie einfach liegen zu lassen und auf die erfahrenen Rettungskräfte zu warten. Die brachten sie in die Uniklinik Dresden und für die heute 24-Jährige begann die schlimmste Zeit ihres Lebens. Immer wieder hoffte sie, doch ihre Befürchtungen wurden schließlich wahr. Beim Unfall brach ihr sechster Halswirbel. Die Diagnose: Querschnittlähmung. „Als mir mitgeteilt wurde, dass ich mich an ein Leben im Rollstuhl gewöhnen muss, wollte ich niemanden mehr sehen“, denkt sie mit Schrecken an die Zeit zurück. Sie konnte nicht mehr selbstständig essen, kein Buch mehr in die Hand nehmen. Die junge Frau, die eben noch Mitten im Leben stand und kurz vor der Prüfung zur Arzthelferin stand, konnte plötzlich nicht mehr ohne fremde Hilfe leben. Doch Doreen M. kämpfte. „Um die Weihnachtszeit hat es plötzlich Klick gemacht bei mir“. Sie nahm ihr Leben wieder in die Hand und ein Jahr nach ihrem Unfall kam sie schließlich ins Berufsförderungswerk Bad Wildbad. Dort lernte sie den Beruf der Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung medizinische Dokumentation.
„Dass ich ins Berufsförderungswerk nach Bad Wildbad gekommen bin, ist das Beste, was mir je passiert ist“, sagt sie voller Überzeugung und ihre Augen strahlen. Denn die BFW-Leitung war so überzeugt von ihrer Arbeit, dass sie Doreen M. nach Beendigung ihrer Ausbildung einen Arbeitsplatz anbot.
Ein Glücksfall für die 24-Jährige, denn das Haus ist durch die Heinrich-Sommer-Klinik bestens auf die Bedürfnisse von Querschnittgelähmten eingestellt.
Und so packte sie in ihrer Heimat bei Dresden ihre Sachen und zog in den Schwarzwald. Ihre ehemaligen Ausbilder wurden zu Kollegen und dort, wo sie einst während ihrer Ausbildung gebüffelt hat, stand ihr eigener Schreibtisch. Heute ist sie zwar wieder zurück in ihrer Heimat, doch mit dem BFW und ihren ehemaligen Kolleginnen ist Doreen M. weiterhin sehr verbunden.

 

zurück